Was bisher über Migräne bekannt ist

Migräne ist ein komplexes gehirnbezogenes Ereignis, das sich über Stunden oder Tage entwickelt. Die schmerzhaften Attacken können sich bei körperlicher Aktivität verstärken und werden nicht selten von weiteren Beschwerden begleitet. Unbehandelt dauern Migräneattacken typischerweise zwischen 4 und 72 Stunden.

Migräne betrifft Nerven und Blutgefäße

Die komplexen Abläufe, Ursachen und Trigger, die zu einer Migräneattacke führen, sind bis heute nicht in allen Einzelheiten geklärt. Mediziner gehen jedoch davon aus, dass es im Hirnstamm – der Verbindung zwischen Rückenmark und Großhirn – Regionen gibt, die bei einer Migräneattacke durch schmerzvermittelnde Nervenbotenstoffe aktiviert werden. Dadurch soll es zu Entzündungen und Aufweitungen von Blutgefäßen kommen, was für die migränetypischen Kopfschmerzen verantwortlich gemacht wird. In jüngster Zeit gerät der blutgefäßerweiternde Botenstoff CGRP zunehmend in den Fokus der Migräneforschung.

Körpereigenes Protein im Fokus der Forschung

Kommt es zu einer Migräneattacke, setzt der Körper vermehrt CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) frei, unter anderem aus Fasern des Trigeminusnervs. Diese Ausschüttung scheint die Sensibilität der Nerven entlang bestimmter Blutgefäße zu verändern, arterielle Blutgefäße im Gehirn stark zu erweitern und auch Entzündungsreaktionen auszulösen.

Prophylaktische Strategien für mehr Lebensqualität

Migräne beeinträchtigt die persönliche Lebensqualität in großem Maße und jedes Mal aufs Neue. Bei einer Migräneattacke lassen sich durch die starken Symptome Arbeit, Sport und Familienalltag nur noch eingeschränkt bewältigen. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, prophylaktische Strategien zu entwickeln, mit dem Ziel, Migräneattacken in ihrem Schweregrad möglichst gering zu halten oder sie ganz zu vermeiden.

Migräne-Trigger

Grundlegend für eine gelungene Prophylaxe ist es, die eigenen Migräne-Auslöser, sogenannte Trigger, zu kennen. Dann erst kann man sie vermeiden. Um diesen Triggern auf die Spur zu kommen, kann ein Migränetagebuch hilfreich sein. Notieren Sie Datum, Dauer und Trigger Ihrer Migräneattacken darin. Das Tagebuch hilft Ihnen dabei, Auslöser und Einflussfaktoren zu erkennen und Ihre individuelle Situation und Bedürfnisse besser einzuschätzen.

Häufige Trigger sind:

  • Alltagssituationen wie Überlastungen oder Stress
  • Konsum von Alkohol, Koffein oder Nikotin
  • Wetterveränderungen
  • Abweichungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • angestrengtes Lesen oder Fernsehen
  • äußere Einflüsse, wie grelles/flackerndes Licht, Lärm oder Gerüche
  • hormonelle Schwankungen
  • Flüssigkeitsmangel
  • histamin- und tyraminreiche Speisen (lang Gelagertes wie Käse, Schinken, Dauerwurst oder Sauerkraut)

Formen der Migräne

Jede Migräneattacke ist anders – in ihrer Intensität und Dauer ebenso wie hinsichtlich der begleitenden Symptome und der persönlichen Belastung. Dennoch lässt sich eine Einteilung in folgende große Gruppen treffen.

Migräne mit und ohne Aura

Kommen vor dem Ausbruch einer Migräne neurologische Störungen hinzu, wie z. B. Sehstörungen, spricht man von einer Migräne mit Aura. Eine solche Aura kann bis zu einer Stunde anhalten und durch einseitige Gefühlsstörungen, Lähmungen, Sprachstörungen oder eine Kombination dieser Störungen begleitet werden.

Neben der Differenzierung in die Migräne mit und ohne Aura können zwei weitere Formen unterschieden werden.1

Episodische Migräne

Eine episodische Migräne tritt in unregelmäßigen Abständen auf und ist durch Kopfschmerzen an bis zu 14 Tagen im Monat gekennzeichnet.

Chronische Migräne

Treten mindestens über die letzten 3 Monate Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat auf und haben mindestens 8 davon einen migränetypischen Charakter, spricht man von einer chronischen Migräne. Sie entwickelt sich häufig aus der episodischen Form, indem die Migräneattacken über Jahre zunehmend häufiger auftreten und kontinuierlich länger und stärker werden.

Phasen einer Migräneattacke²

Bei einer Migräne lassen sich vier Phasen unterscheiden:

  • Prodromalstadium
  • Aura-Phase
  • Kopfschmerz-Phase
  • Rückbildungsphase

Es treten jedoch nicht bei allen Patienten bei jeder Migräneattacke alle vier Phasen auf. Zudem können sich die Phasen überschneiden. Alle Phasen tragen zur Belastung und Beeinträchtigung des Betroffenen bei.

Prodromalstadium

Das Prodromalstadium ist eine Phase, in der unspezifische Symptome auftauchen, die den Kopfschmerzen oder der Aura vorausgehen. Diese treten in der Regel 1 bis 24 Stunden vor den Kopfschmerzen auf. Es wird vermutet, dass bei mehr als 80 % der Menschen mit Migräne Vorboten eine Migräne ankündigen.

Aura-Phase

Bei etwa 20 % der Migräne-Patienten tritt eine Aura-Phase auf. Diese kann den Kopfschmerzen vorausgehen oder gleichzeitig mit diesen auftreten. Sie dauert 5 bis 60 Minuten und ist durch das Auftreten neurologischer Symptome gekennzeichnet. Visuelle Störungen sind am häufigsten. Weitere Aura-Symptome sind Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln, Schwindelgefühl, motorische Störungen sowie der vorübergehende Verlust der Sprech-, Lese- oder Schreibfähigkeit.

Kopfschmerz-Phase

Die Kopfschmerz-Phase ist durch einen intensiv pochenden, einseitigen Kopfschmerz von mittlerer bis starker Intensität gekennzeichnet. Die Schmerzen können sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Ohne wirksame Behandlung können diese Symptome einige Stunden bis Tage andauern.

Rückbildungsphase

Bei etwa 70 % der Betroffenen tritt eine Rückbildungsphase im Rahmen ihrer Migräne-Attacke auf. Diese Phase geht mit einem Gefühl von Schwäche und Erschöpfung einher. Es können auch kognitive Störungen, Magen-Darm-Symptome, Stimmungsschwankungen und eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit auftreten.

Service mit Köpfchen

Mit unserem KOPF KLAR-Patientenservice möchten wir Migränepatienten in allen Lebenslagen unterstützen. Dazu haben wir vielfältige Informationsmaterialien entwickelt und bieten verschiedene Services.

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Auf der Seite der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) finden Sie eine Auflistung aller Zentren und Spezialisten.