Was sollte in einem Migränetagebuch drinstehen?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, denn was Sie in Ihrem Migränetagebuch festhalten sollten, ist davon abhängig, wozu Sie es nutzen wollen.

  • Soll es eine reine Dokumentation der Schmerzen und Symptome sein und Ihren Therapieverlauf dokumentieren? Dann sollten Sie wichtige Fakten rund um Ihre Migräneattacken und Therapiemaßnahmen festhalten.
  • Falls Sie Migräneauslöser aufspüren wollen, sollten Sie Begleitumstände vor und während einer Schmerzattacke notieren.
  • Nutzen Sie Ihr Tagebuch, um den schönen Dingen in Ihrem Leben ein Forum zu geben? Dann sollten Sie auch Highlights in Ihrem Alltag aufzeichnen.

Egal wozu Sie Ihre Dokumentation verwenden möchten, bei einem Migränetagebuch ist es wichtig, dass es über einen längeren Zeitraum geführt wird. Zwei Monate sind ein Zeitraum, der Ihnen und Ihrem Arzt einen guten Überblick über Ihre Migräne, die Begleiterscheinungen und mögliche Auslöser gibt. Außerdem sollten Sie auch schmerzfreie Zeiten dokumentieren.

Achten Sie darauf, die Fakten zu Migräneattacken zeitnah aufzuschreiben, sonst geraten wichtige Details eventuell in Vergessenheit.

Gut vorbereitet dank Migränetagebuch

Mit einem Migränetagebuch sind sie optimal auf den nächsten Arztbesuch vorbereitet. Neben Informationen zu Ihren Schmerzattacken können Sie auch Fragen und wichtige Themen notieren, die Sie besprechen möchten.

Die wichtigsten Tagebuchdaten für Ihren Arzt sind:

  • Wie häufig treten Migräneattacken auf?
  • Wie lange dauern die Episoden?
  • Wie stark sind die Schmerzen?
  • Welche Begleitsymptome sind aufgetreten und wie lange halten sie an?
  • Welche Medikamente haben Sie eingenommen und wie haben sie gewirkt?     

Mit diesen Informationen kann Ihr Arzt den Therapieverlauf überprüfen und mit Ihnen gemeinsam geeignete Therapiemaßnahmen auswählen, um Ihre Migräne gezielter zu behandeln.

Außerdem ist es wichtig anhand der Dokumentation die Häufigkeit der Schmerzmitteleinnahme zu überwachen und so einem Übergebrauch vorzubeugen.

Es empfiehlt sich, auch nichtmedikamentöse Maßnahmen zu dokumentieren, sowohl Maßnahmen zur Prophylaxe als auch Hilfsmittel, die Ihnen im Akutfall geholfen haben. So können Sie ermitteln, was Ihnen zur Vorbeugung wirklich hilft, und Sie lernen mit der Zeit immer besser mit Ihrer Migräne umzugehen.

Weitere Informationen zu Behandlungsmaßnahmen finden Sie hier:

Spüren Sie Auslöser auf

Falls Sie mit Ihrem Migränetagebuch individuelle Auslöser bzw. die Ursache aufspüren möchten, sollten Sie auch die Begleitumstände einer Migräneattacke festhalten. Die Einträge sollten Ihren normalen Tagesablauf und Besonderheiten widerspiegeln. Zu den Informationen, die Sie festhalten können, gehören:

  • Was haben Sie gegessen und wann?
  • Haben Sie ausreichend gegessen oder gab es Hungerphasen?
  • Haben Sie im Tagesverlauf ausreichend getrunken?
  • Wann sind Sie morgens aufgewacht und wann abends zu Bett gegangen?
  • Gab es ungewöhnliche körperliche Herausforderungen?
  • Gab es zwischenmenschliche Probleme und andere seelische Belastungen?
  • Hatten Sie Stress oder war Ihr Tag besonders hektisch?
  • Dokumentieren Sie auch äußere Faktoren wie Wetter, Geräuschpegel, Gerüche etc.
  • Frauen sollten auch Informationen zu ihrer Menstruation festhalten.

Je detaillierter die Aufzeichnungen sind, umso besser können Sie mögliche Migräneauslöser entdecken. Durch Ihre Aufzeichnungen können Sie häufig auch erkennen, was positive Auswirkungen auf Ihr Leben mit Migräne hat. So können Sie nicht nur lernen, was Sie aus Ihrem Alltag verbannen, sondern auch was Sie häufiger in Ihr Leben einladen sollten.

Nicht zu wenig, nicht zu viel – die richtige Dosis für Ihre Aufzeichnungen

Ein Migränetagebuch sollte zwar gewissenhaft und detailliert geführt werden, aber achten Sie darauf, nicht zu viel Energie zu investieren. Das ist wichtig, um keine Ängste zu schüren oder Stress aufzubauen. Wenn Sie Ihren Alltag bewusst und wohlwollend beobachten, können Sie viel über sich selbst und die Migräne lernen. Wenn Sie jedoch jeden Aspekt unter die Lupe nehmen und zu viel über die Schmerzen und ihre Auslöser nachdenken, besteht die Gefahr, dass Sie sich in die Migräne hineinsteigern. Das kann dann selbst zu Stress werden und sich ungünstig auf Ihre Migräne auswirken.

Nicht alles, was Sie als Auslöser vermuten, stellt sich als solcher heraus. Deshalb gilt auch hier: Ruhe bewahren. Verzichten Sie nicht vorsorglich auf alles, was Ihnen Spaß macht, nur weil es ein potenzieller Auslöser sein könnte. Das Vermeiden von Auslösern ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie sicher sind, dass es sich auch wirklich um einen Auslöser handelt. Außerdem kann eine zu starke Fokussierung auf mögliche Auslöser zu einer Erwartungsangst führen, die dann selbst zum Auslöser werden kann. Ein Beispiel: Wenn Sie fest davon überzeugt sind, dass Schokolade Migräne auslöst, können Sie beim Schokoladeessen so starke Angst verspüren, dass durch die Angst eine Migräneattacke ausgelöst wird. In dem Fall war dann nicht die Schokolade schuld an der Schmerzattacke, sondern die Angst. Deshalb ist bei der Suche nach Migräneauslösern ein gewisses Maß an Gelassenheit wichtig.

Schreiben Sie auch über schöne Dinge

Es kann hilfreich sein, sich die schönen Dinge im Leben zu vergegenwärtigen. Deshalb sollten Sie auch schmerzfreie Tage dokumentieren. Notieren Sie, wie Sie sich fühlen, was Ihren Tag bereichert hat und was besonders schön war. Meist ist es hilfreich, das Schreiben des Tagebuchs als Routine in Ihren Alltag zu integrieren. Zum Beispiel kann es helfen, die schönen Momente des Tages vor dem Zubettgehen aufzuschreiben, um positive Gedanken mit in die Nacht zu nehmen. Andere lassen gerne zu Beginn eines neuen Tages den letzten Tag Revue passieren. Wann die beste Zeit ist, Ihr Tagebuch zu schreiben, wissen Sie am besten. Sie sollten jedoch nicht zu lange warten, um Schmerzdaten aufzuschreiben, sonst geraten wichtige Details eventuell in Vergessenheit.

Klassisch als Buch oder digital als App

Ob Sie lieber ein klassisches Tagebuch führen oder eine digitale Alternative wie eine App nutzen, ist reine Geschmackssache. Probieren Sie einfach aus, was für Sie am besten geeignet ist. Wichtig bei der Wahl des Mediums ist, dass Ihnen das Führen des Tagebuchs leichtfällt. Sie können das Tagebuch nur mit den wichtigsten Infos füllen oder mehr von Ihrem Leben dokumentieren. Für manche wird das Schreiben eines Tagebuchs sogar zum kreativen Spaß und sie collagieren ihre Tagesdokumentation.

Für Ihren Arzt ist es hilfreich, wenn Sie Ihre persönliche Dokumentation von den reinen Fakten getrennt notieren. Für das Arztgespräch sind einfache Tabellen, die mehrere Tage oder Wochen auf einen Blick zeigen, zur Dokumentation optimal. Eine Vorlage für eine solche Tabelle finden Sie hier.

Auch die KOPF KLAR-App bietet eine Tagebuchfunktion und viele weitere hilfreiche Funktionen.

Service mit Köpfchen

Mit unserem KOPF KLAR-Patientenservice möchten wir Migränepatienten in allen Lebenslagen unterstützen. Dazu haben wir vielfältige Informationsmaterialien entwickelt und bieten verschiedene Services.

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Auf der Seite der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) finden Sie eine Auflistung aller Zentren und Spezialisten.